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38. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2020)

15.01. - 18.01.2020, Zell am See, Österreich

Prognostische Relevanz drittgradiger Verbrennungen bei Schwerbrandverletzten

Meeting Abstract

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  • Johanna Gorenflo - Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Nürnberg, Nürnberg, Germany
  • Bert Reichert - Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Nürnberg, Nürnberg, Germany
  • Moritz Billner - Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Klinikum Nürnberg, Nürnberg, Germany

Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. 38. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2020). Zell am See, Österreich, 15.-18.01.2020. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2020. Doc11.03

doi: 10.3205/20dav079, urn:nbn:de:0183-20dav0793

Veröffentlicht: 13. Januar 2020

© 2020 Gorenflo et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Der allgemein zur Abschätzung des Mortalitätsrisikos schwerbrandverletzter Patienten geläufige Abbreviated Burn Severity Index (ABSI) nach Tobiasen sieht für die Existenz drittgradiger Verbrennungen die Vergabe eines zusätzlichen Punktes vor. Hierbei wird nicht hinsichtlich des Ausmaßes der betroffenen Körperfläche differenziert. Ziel dieser Arbeit ist zu ermitteln, inwieweit der prozentuale Anteil drittgradiger Verbrennungen die Mortalität beeinflusst.

Material und Methoden: In dieser Studie erfolgte die statistische Auswertung von 2538 prospektiv im Rahmen des Schwerbrandverletztenregisters erhobenen Falldaten. Es erfolgte eine Unterteilung des Kollektivs in Patienten mit und Patienten ohne drittgradige Verbrennungen. Um die prognostische Relevanz drittgradiger Verbrennungen bezogen auf die vKOF darzustellen, wurde eine lineare Regressionsanalyse durchgeführt. Als weitere Einflussgrößen wurden hierbei auch Alter, Geschlecht und das Vorliegen eines Inhalationstraumas berücksichtigt.

Ergebnis: Ingesamt fanden sich bei 1233 Patienten Verbrennungen dritten Grades. Für dieses Patientenkollektiv lag die Überlebensrate bei 71,5 %. In der 1305 Patienten umfassenden Gruppe ohne drittgradige Verbrennungen ergab sich eine Überlebensrate von 91,0 %. Bei Patienten mit einer vKOF unter 20% erwies sich der Anteil drittgradiger Verbrennungen in Bezug auf die Mortalität als prognostisch nicht relevant (p=0,124). Bei mehr als 20% vKOF ist der Anteil drittgradiger Verbrennungen von signifikanter Relevanz (p=0,000). In der vom ABSI-Score prognostizierten Überlebensrate von <10% bei Score-Werten >= 12 zeigte sich eine deutliche Abweichung der nicht drittgradig verbrannten Patienten mit einer Überlebensrate von 46% (vs. 11%).

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit vKOF unter 20% ist die Unterscheidung zwischen tief zweitgradigen und drittgradigen Verbrennungen nicht relevant für das Überleben. Für Patienten mit mehr als 20% verbrannter KOF ist der prozentuale Anteil drittradiger Verbrennungen jedoch von entscheidender prognostischer Bedeutung. Durch eine Anpassung des ABSI-Scores unter Einbeziehung des prozentualen Anteils drittgradiger Verbrennungen könnte somit eine Verbesserung der prognostischen Wertigkeit des Scores erreicht werden.